Bloggen über einen Wand-Bohren
Mittwoch, 28. Juli 2004
Bloggen über das Bohren
Da bohrt einer im Haus in die Wand. Immer wieder. Er bohrt in die Wand, mir bohrt sich das Geräusch in die Ohren, durch das Trommelfell, dort hämmert es auf den Amboß, eine gemeine Einrichtung, sehr kompliziert von der Natur geschaffen, ein Wunder, weil mein Hirn diese Töne aufnimmt, versteht, aber nicht genau erkennt, von wo das Bohren kommt. Von Oben oder von Unten oder von Links oder von Rechts.
Diese Wände vertuschen den Urheber, geben die Quelle des Bohrens nicht frei. Für den Geheimdienst verschlüsselte Geräusche über den Standort des Bohrers.
Nun, es ist halb elf, da kann der Bohrer erwarten, daß alle, die in dem Haus sonst noch wohnen, entweder in der Arbeit sind und nicht einer davon einer von den bald fünf Millionen ist, der keine hat. Der müßte dann aber um diese Zeit auch auf der Suche nach Arbeit sein.
Oder die, die nicht mehr arbeiten müssen, sind bei dem schönen Wetter längst draußen, um das Essen wieder heimzubringen, das sie vom Kühlschrank in den Bauch verlagert haben.
Das Geräusch des Bohrens ist zögerlich. Sucht er mit dem Bohrer das Loch, in das er will? Hat er nicht verstanden, daß er mit dem Bohrer das Loch erst bohren muß, in das er dann hinein will, mit was auch immer und zu welchem Zweck und mit welchem Sinn. Sei es, um ein Bild an einen Haken zu hängen oder ein ganzes Brett, auf das er dann seine Souvenirs über dem Bett an die Wand stellen kann. Für schöne Nach-Träume aus dem Urlaub oder in die Zeit zurück. Sozusagen als Wegweiser für die Träume. Ob der Träumende dann immer dort ankommt?
Vielleicht ist ja das der Grund, warum er so zögerlich bohrt. Er weiß noch nicht, welche Geister er damit aus der Wand befreit, die bisher darin eingemauert waren.
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