Startseite
    Deutschland
    Gedicht
    Europa
    Gesundheit
    Googeln
    Impressum
    Irak
    Israel
    Literatur
    Lokal-Colorit
    mein 1. blogg
    Mundart
    Palästina
    Völkerrecht
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Links
  
  Der unerträgliche Standpunkt
  Genfer Abkommen über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten
  UN Document Center - Resolutions -
  Bundeszentrale für politische Bildung
  INTIFADA
  Jungfrauentest
  Isarinsel
  brnokid
  ILEY Magazin
  MIDNIGHT SWINGERS - Square Dance -
  MUNICH OUTLAWS - Square Dance -


http://myblog.de/stoanboat

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Lokal-Colorit

Das Laufrad und seine Geschwindigkeit


Das Laufrad und seine Geschwindigkeit



Mensch oder Dampfkessel


Mit diesem Laufrad bin ich nicht zum See gefahren. Mit diesem Laufrad fahre ich überhaupt nicht.

Mein Fahrrad sieht ganz anders aus, ganz anders jedoch nicht. Nur der eine Unterschied ist die Tretkurbel und die beiden Zahnräder an der Tretkurbel und dem Hinterrad und die Kette, die über beide läuft und so das Rad vorwärts treibt. Die Füße treten auf die beiden Tretpedalen und so bewegt sich das Zahnrad an der Tretkurbel.

Außerdem muß ich auf diesem Rad, von dem ich meine Beine nicht mehr auf den Boden zum Abstoßen setze, das Gleichgewicht halten. Sonst falle ich mit dem Rad um.

Ein Fahrrad mit den Zahnrädern und den Tretpedalen fährt viel schneller als ein Laufrad, das nur mit den Beinen vorwärts gestoßen wird. So wurde der Mensch in seiner Vorwärtsbewegung auf seinen Fahrgeräten schon durch diese Entwicklung schneller. Der Rausch der Geschwindigkeit hatte damit nicht erst begonnen, er erfuhr nur eine Steigerung. Schon beim Laufen mit den Beinen hatte der Mensch den Rausch der Geschwindigkeit erleben können. Mit dem Laufrad hatte er ihn fortgesetzt und mit den Zahnrädern und der Kette und den Tretkurbeln hatte er ihn nur noch gesteigert.

Seitdem hat er dieses System nie mehr grundlegend geändert, auch nicht durch die Zweiräder, auf die er sich auf den Rücken legt. Das Prinzip der Fortbewgegung blieb, nur die Übertragung der Kraft von den Beinen auf das Antriebsrad hat er verändert.

Wie? Schneller natürlich, immer ist er seinem Ziel nachgerannt, schneller zu werden. Heute ist ein sogenannter Sportler auf seinem Rennrad nichts anderes als ein Heizkessel.

Das Rad selbst kann nur seine Technik verbessern, es kann leichter werden, es kann die Übersetzung der Menschenkraft optimieren, aber wenn dann in diesem Kräftesystem keine Steigerung mehr möglich ist, muß die Maschine verbessert werden, die dieses System der Kraftausnutzung antreibt. Die Zelle, aus der die Kraft für den Antrieb kommt. Der Sportler, der Mensch. Und jetzt wird der Mensch mit den Kraft steigernden Stoffen gefüttert, nur zu dem Zweck, um die Maschine schneller fahren zu sehen.

Der Mensch ist nicht zum Nutzer der Mechanik emporgestiegen. Diesen Gipfel hat er schon vor langer Zeit erreicht. Jetzt hat er den Abstieg zum Sklaven der Maschine, ihrer Kraftsysteme, angetreten. Er ist zum Dampfkessel der Fahrradmaschine geworden. Doch um diese Entwürdigung nicht erkennen zu müssen, werden sie von der Masse der Zuschauer zu den Helden der Straße erhöht. Auf die glitzernden Schilde ihrer Begeisterung gehoben und mit Champagnerströmen übergossen.

Die Würde des Menschen gilt nichts, nicht die des Menschen, der auf der Maschine sitzt noch die des Menschen, der diesem Sklaven zujubelt. Wurden neue Werte geschaffen, neue Maßstäbe für den Wert des Menschen? Ehrenhaftere? Menschlichere?

Jedes System ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. So heißt es in einer Erkenntnis über die Zusammenhänge, die gegenseitigen Bedingungen in einem aus mehreren Teilen bestehenden System. Über das Zusammenwirken von Zahnrändern, die ineinander greifen, einander gegenseitig antreiben. Bricht das Schwächste von ihnen, stehen alle anderen still, auch die Stärksten.
Der Mensch sieht sich jetzt in einem Spiegel und fragt sich, wird ein neuer Mensch gefordert? Genügt er sich selbst als Mensch nicht mehr? Wie aber wird, wie soll dieser Neue Mensch aussehen? Und woher soll er kommen?

Nun weiß der Mensch über sich aus der Wissenschaft, die er über sich selbst begonnen hat, wie und aus welchen Bestandteilen er zusammengesetzt ist. Seine Neugier und sein Wissensdrang haben ihm schon die Werkzeuge in die Hand gegeben, seine Ernährung, die ihm die Natur anbietet, die er in der Natur gefunden hat, zu verändern. Folgerichtig muß er damit fortfahren, damit beginnen, die Bausteine der Heizkessel auf den Rennmaschinen zu verändern, zu verbessern.

Der Mensch wird einer neuen Erkenntnis begegnen, die jedoch wiederum schon eine alte ist. Die hat er schon mit der Erschaffung der Maschine begonnen. Der Mensch ist ersetzbar, die Maschine kann die Arbeit für den Menschen tun. Bald werden also auch die Maschinen, die bisher noch von Menschenkraft angetrieben worden sind, durch andere Maschinen angetrieben, die sich auf sie setzen werden.

Bleiben noch die Zuschauer, die dann auch durch Zuschau-Maschinen ersetzt werden.

Bleibt noch der Gedanke - oder ist auch der nicht der Letzte? - wer wird mit den Renn- Antreibe- und Zuschau-Maschinen spielen?


23. Juni 2007 ©  HeinzKobald



24.6.07 11:42


Der kurze Weg zum Vergessen


Warum stehe ich jetzt in der Küche ?





Ja, warum? Da stehe ich und schaue erst mal. Was will ich hier?

Wollte ich etwas ausschalten, was nicht weiter eingeschaltet sein soll? Kein rotes Licht zu sehen.

Wollte ich etwas holen, was auf dem Tisch noch fehlt?

Mein Blick streift suchend durch die Regale an der Wand an den Gläsern entlang.



Der Weg vom Tisch in die Küche ist so kurz, daß es mir immer ganz unwahrscheinlich erscheint, daß ich auf diesen wenigen Schritten, den Grund für mein Hiersein aus dem Kopf verloren haben soll.

Diese schnelle Entscheidung, vom Tisch weg in die Küche, nicht mehr daran denken, warum und wozu ich hierher gehe. Da ist nur der Gedanke, aufstehen und gehen. Das sind schon zwei Aktionen, die mein Kopf für mich organisieren muß.



Dabei fängt es vermutlich an, das Vergessen.

Ich denke nur an das Gehen, nicht an das, was ich in der Küche tun will.

An das In-der-Küche-Stehen muß ich nicht denken.

Das tue ich dann sowieso, wenn ich erst mal drin bin.

Also, wo muß ich meine Aufmerksamkeit einsetzen, sie schärfen und zielgerichtet ansetzen?



Jetzt kommt die Erleuchtung.

Es ist das Merken, das ich auf dem kurzen Weg vergesse. Auf dem Weg in die Küche vergesse ich das Merken. Keine Verwunderung, daß mir der Grund für den Weg in die Küche entfällt.

Aber wie setze ich diese Erkenntnis eins zu eins um, ohne Wissensverlust auf dem Weg vom Kopf in die Füße?



Juristen kennen den Begriff „Wiedereinsetzung in den vorigen Stand“.

Das werde ich jetzt auch tun, ohne formalen Antrag auf ... Ich gehe einfach an den Tisch zurück – und warte dort, bis mir der Grund, warum ich in die Küche gehen wollte, wieder einfällt.

Eigentlich könnte ich mir die sofortige Umkehr aus der Küche an den Tisch zur Routine angewöhnen, wenn ich mal wieder in der Küche nutzlos herumstehe.

Der Tisch ist ohnehin der Ort, an dem die meisten Dinge ausgehandelt und vereinbart werden.

Warum sollte also nicht ein winziges Bröselchen von dem Verstehen für mich abfallen?



Ich werde mir dieses handout *) an die Pinnwand in der Küche stecken.



_________________________________________________

*) neues deutsches Wort für Merkzettel, Lernhilfe, Lernmittel







14.9.04 15:35


Verloren in der Küche


Jetzt habe ich kein Steak



Jetzt habe ich nichts, es in das spritzende Fett in die Pfanne zu legen. Kein Steak. Das Fach im Markt war leer. Leer. Das ist unglaublich, ja auch überhaupt nicht vorstellbar. Und trotzdem war es so geschehen.

Das Fach in dem Markt „war“ nicht leer. Das „ist“ immer noch leer. Im Jetzt. Jetzt ist das Fach leer. Immer noch.

Es „war“ auch kein letztes Stück da gelegen, das ich hätte nehmen können, um das Fach dann selbst leer im „Jetzt“ zurück lassen zu können.

Die unfaßbare Leere. Aber deutlich sichtbar. Ganz deutlich.

Was mache ich jetzt? Da kann ich jetzt gar nichts machen.

Aber wenn ich doch jetzt etwas essen will? Weil ich jetzt Hunger habe!



Und das alles geschieht in mehreren Handlungen, sozusagen alles gleichzeitig in Realzeit.

Schauen Sie doch mal in Ihrer Küche nach, was da gerade alles so vor sich geht. Haben Sie da noch den Überblick oder möchten Sie doch lieber in dem Augenblick zum Fenster hinausspringen?



Beim Springen gibt es einige Regeln. Kennen Sie die? Gewiß, Sie springen nicht zum ersten Mal - in die Küche.

Sollten Sie aber doch zum Fenster hinausspringen wollen, dann allerdings kann ich Ihnen keine Regeln mit auf den „Weg“ - nach unten - geben. Denn ich bin diesen Weg noch nicht gegangen.

Nur eine Regel kann ich Ihnen vor Ihrem - dann unvermeidlichen - Absturz mitteilen. Überlegen Sie sich, ob Sie wirklich zu dem Sprung ansetzen. Er ist einmalig und unwiederholbar.



Es gibt jetzt die Möglichkeit der Umkehr. Und gehen Sie einfach ganz geradeaus durch das geschehene Geschehen in der Küche hindurch. Geradeaus, sagte ich - und nicht nach links oder rechts sehen.

So, jetzt sind Sie durch. Sehen Sie, wieder im Jetzt.



Das ist entscheidend, daß es im Jetzt geschieht.

Sonst geschieht es ja gar nicht. Alles, was vor dem Jetzt geschehen ist, geschieht eben im Jetzt nicht mehr. Aus. Finito.

Stimmt auch nicht. Siehe oben leeres Fach.

Vielleicht ein genüßliches Dacapo? In der Küche? Hier und Jetzt? Oder laufe ich wieder zum Markt zurück, um das Jetzt der Leere noch einmal zu erleben?

Und was geschieht jetzt in der Küche?

Aber uns fehlt ja das entscheidende Mittel, um das erforderliche Instrumentarium der Küche dafür zielbewusst in Bewegung zu setzen.

Aber dagegen stellt sich auch das Bild, das die Übersicht von der Küche gerade ausmalt. Vielleicht war die Leere im Fach im Markt doch ein Akt der Vorsehung?

Es ist auch hier alles wie im Krimi. Den Täter sieht der Zuschauer stets schon in den ersten Szenen. Nur, wer ist es? Deswegen werden dem Zuschauer ja auch mehrere mögliche Täter / innen - auch - „vorgestellt“.

Die Auflösung liegt in einem der vielen „jetzt“. Da ist ein „jetzt“, in dem ich nichts machen kann - weil da nichts ist, ich nichts habe, mit dem ich es tun könnte. Also geschieht nichts. Keine Tat. Kein Täter. Das Motiv bleibt folgenlos. Das Gefühl Hunger wird in dem Augenblick der Feststellung, des Sichmeldens, nicht bemerkt, es wird übergangen.

Im Jetzt. In dem ich kein Steak in der Hand habe. Kein Steak, keine Tat, kein Täter. Höchstens das Motiv des Hungers? Das ist aber bei rückwärts verlaufender Logik ebenfalls aufgelöst, nicht mehr vorhanden.

So haben wir ein Jetzt, in dem alle begonnen Handlungen - eigentlich - doch nicht stattgefunden haben, weil sie nicht stattfinden konnten.

„Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“



(c) 2004 Heinz Kobald

3.9.04 15:03





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung